Das Vergeletto-Tal im Onsernonetal gehört zu den ruhigeren Wanderregionen im Tessin. Meine Tour begann hoch über dem Tal bei der Alpe Salèi, die ich mit der kleinen Luftseilbahn von Vergeletto aus erreichte.
Von dort führte die Wanderung zunächst zum Laghétt di Salèi, anschliessend hinauf zum Pass dal Bösan und über die abgelegene Berglandschaft weiter zur Capanna Alpe Arena. Danach folgte der mit Abstand längste Teil der Tour: der Abstieg zurück ins Vergeletto-Tal.
Die Luftseilbahn nimmt einem zwar einen grossen Teil des Aufstiegs ab. Mit fast 1’200 Höhenmetern Abstieg bleibt die Wanderung trotzdem alles andere als gemütlich.
Kurzinfos zur Wanderung
- Start: Bergstation Funivia Zott–Alpe Salèi
- Ziel: Vergeletto-Tal
- Distanz: ca. 11,5 km
- Dauer: ca. 3 h 50 min
- Aufstieg: ca. 390 Höhenmeter
- Abstieg: ca. 1’190 Höhenmeter
- Schwierigkeit: Bergwanderung / ungefähr T3
- Kondition: mittel bis anspruchsvoll
- Ausrüstung: Wanderschuhe mit gutem Profil, Wanderstöcke optional
- Anreise: bevorzugt mit dem Auto; ÖV vor allem sinnvoll, wenn du bereits aus dem Tessin anreist und die wenigen Verbindungen gut passen

Anreise ins Vergeletto-Tal
Die Anreise ins Vergeletto-Tal ist mit dem öffentlichen Verkehr möglich, erfordert aber etwas mehr Planung als bei vielen Wanderungen in dichter besiedelten Regionen.
Mit dem Postauto geht es ins Onsernonetal und weiter Richtung Vergeletto. Gerade hier würde ich die Verbindungen für Hin- und Rückfahrt schon vor der Wanderung kontrollieren, da die Busse nicht in kurzen Abständen verkehren.
Mein eigentlicher Wanderstart lag bei der Bergstation der Funivia Alpe Salèi.
Mit der Funivia Salei hinauf zum Ausgangspunkt
Von Zott bei Vergeletto führt eine kleine Luftseilbahn hinauf zur Alpe Salèi.
Dadurch startet die Wanderung bereits auf rund 1’770 Metern Höhe. Das erklärt auch das ungewöhnliche Höhenprofil: Trotz einer Wanderung auf über 2’000 Meter kommen nur rund 390 Höhenmeter Aufstieg zusammen, dafür später fast 1’200 Höhenmeter bergab.

Die Seilbahn ist für diese Route deshalb nicht einfach eine bequeme Abkürzung, sondern ein zentraler Bestandteil der Tour.
Vor der Anreise würde ich die aktuellen Betriebszeiten unbedingt kontrollieren.
Die Wanderung
Von der Bergstation zur Capanna Salei
Nach der Fahrt mit der Luftseilbahn startet die Wanderung auf der Alpe Salèi.
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Capanna Salei auf rund 1’777 Metern. Die Hütte liegt mitten in einer offenen Alpweide und ist während der Sommersaison bewartet.

Der Beginn der Wanderung ist noch relativ gemütlich. Von hier geht es anschliessend Richtung Laghétt di Salèi.
Aufstieg zum Laghétt di Salèi
Nach der Capanna beginnt der erste richtige Anstieg der Tour. Der Weg führt durch die offene Berglandschaft stetig bergauf und gewinnt auf relativ kurzer Distanz spürbar an Höhe.
Der Anstieg ist nicht besonders lang, macht aber schnell klar, dass man sich hier auf einem richtigen Bergwanderweg befindet. Gerade nach dem gemütlichen Start rund um die Alpe Salèi fand ich den Wechsel ziemlich deutlich.

Laghétt di Salèi
Nach dem Aufstieg erreicht man den Laghétt di Salèi.
Der kleine Bergsee liegt in einer offenen alpinen Mulde und war für mich einer der schönsten Punkte der ganzen Tour.

Gerade nach dem ersten Aufstieg bietet sich hier eine Pause an.
Die Kombination aus Bergsee, Graslandschaft und den umliegenden Gipfeln wirkt deutlich abgeschiedener als viele bekanntere Wanderziele im Tessin.

Vom Laghétt di Salèi zum höchsten Punkt der Tour
Nach dem See geht es nochmals bergauf bis zum Pass dal Bösan auf rund 2’000 Metern.
Für mich verändert sich die Wanderung hier nochmals deutlich. Die Umgebung wirkt alpiner und offener als rund um die Capanna und den Bergsee. Gleichzeitig werden die Ausblicke über die umliegende Berglandschaft immer weiter.
Pass dal Bösan
Hier öffnet sich die Landschaft nochmals deutlich. Statt des geschützten Bergsees dominieren nun weite Bergflanken und Ausblicke über die umliegenden Täler.



Über Bösan Richtung Alpe Arena
Nach dem Pass beginnt die Wanderung allmählich stärker Höhe zu verlieren.
Die Route führt über Bösan weiter Richtung Alpe Arena.
Dieser Abschnitt ist deutlich weniger von einzelnen Sehenswürdigkeiten geprägt. Für mich liegt der Reiz vielmehr in der abgeschiedenen Berglandschaft selbst.



Capanna Alpe Arena
Nach ungefähr der Hälfte der Tour erreicht man die Capanna Alpe Arena.
Bis hierhin wechseln sich kleinere Auf- und Abstiege ab. Ab der Hütte ändert sich der Charakter der Wanderung dann deutlich: Der lange Abstieg zurück ins Vergeletto-Tal beginnt.
Der lange Abstieg ins Vergeletto-Tal
Nach der Alpe Arena beginnt für mich der körperlich anspruchsvollste Teil der Wanderung.
Über mehrere Kilometer geht es fast durchgehend bergab. Dabei verändert sich auch die Landschaft immer wieder: Die offenen alpinen Flächen verschwinden langsam, der Weg führt zunehmend durch Wald und felsigere Abschnitte.
Technisch empfand ich den Abstieg nicht als extrem schwierig. Die Länge und die vielen Höhenmeter gingen aber mit der Zeit deutlich in die Beine. Gerade gegen Ende war ich froh, dass der Weg allmählich flacher wurde.
Nach fast 1’200 Höhenmetern Abstieg erreicht man schliesslich wieder den Talboden des Vergeletto-Tals.

Schwierigkeit und meine persönliche Einschätzung
Die Route ist deutlich anspruchsvoller, als die knapp 11,5 Kilometer zunächst vermuten lassen.
Der Aufstieg ist mit rund 390 Höhenmetern relativ moderat. Der entscheidende Punkt sind die ungefähr 1’190 Höhenmeter Abstieg.
Gerade längere Abstiege belasten Beine und Knie anders als ein kontinuierlicher Aufstieg.
Hinzu kommen Bergwanderwege im alpinen Gelände. Für mich gehören deshalb gute Wanderschuhe mit griffigem Profil klar zur Ausrüstung.
Auch Wanderstöcke können beim langen Abstieg angenehm sein.
Was mir an der Wanderung besonders gefallen hat
Am meisten gefallen hat mir die Abwechslung innerhalb einer einzigen Tour.
Zu Beginn läuft man über die offene Alpe Salèi zum kleinen Bergsee. Kurz darauf befindet man sich auf über 2’000 Metern in deutlich alpinerer Landschaft.
Danach verändert sich die Umgebung beim langen Abstieg praktisch kontinuierlich, bis man wieder im grünen Vergeletto-Tal ankommt.
Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir:
- der Laghétt di Salèi
- die Aussicht rund um den Pass dal Bösan
- die Ruhe entlang der Route
- die unterschiedlichen Landschaften zwischen 2’000 und knapp 1’000 Metern Höhe
- die Tatsache, dass die Luftseilbahn einen grossen Teil des Aufstiegs übernimmt
Kosten
Zusätzliche Kosten entstehen vor allem durch die Funivia Salei sowie die An- und Rückreise mit dem öffentlichen Verkehr.
Da Fahrpreise und Betriebszeiten ändern können, würde ich hier keine festen aktuellen Preise in den Artikel schreiben.
Vor der Wanderung würde ich sowohl die Seilbahn als auch die Postauto-Verbindungen nochmals aktuell prüfen.
Mein Fazit
Die Wanderung über Laghétt di Salèi und Pass dal Bösan hat mir vor allem wegen der Abgeschiedenheit und der abwechslungsreichen Landschaft gefallen.
Mit der Funivia Salei gelangt man ohne langen Talaufstieg direkt auf fast 1’800 Meter. Von dort folgen ein Bergsee, ein Pass auf rund 2’000 Metern und schliesslich ein langer Abstieg durch sehr unterschiedliche Landschaften zurück ins Vergeletto-Tal.
Der Laghétt di Salèi war für mich der landschaftlich schönste Einzelpunkt.
Was ich bei der Tour aber nicht unterschätzen würde, sind die fast 1’200 Höhenmeter bergab. Die Strecke ist mit rund 11,5 Kilometern nicht besonders lang, fühlt sich dadurch aber deutlich anspruchsvoller an.
Bei der Anreise würde ich ausnahmsweise nicht primär den öffentlichen Verkehr empfehlen. Die Verbindungen ins Vergeletto-Tal sind relativ spärlich, wodurch die Tour bei An- und Rückreise mit dem ÖV schnell unflexibel wird.
Wenn du von weiter weg anreist, würde ich deshalb eher mit dem Auto ins Tal fahren und die Wanderung von dort starten. Eine Ausnahme ist für mich, wenn du ohnehin bereits im Tessin unterwegs bist und deine Anreise gut auf die vorhandenen Postauto-Verbindungen abstimmen kannst.
Für mich ist die Tour insgesamt eine sehr schöne Wahl, wenn du eine ruhige Tessiner Bergwanderung suchst, längere Abstiege gewohnt bist und etwas mehr Planung bei der Anreise nicht scheust.
Meine Tipps
- Für die Anreise würde ich ausnahmsweise eher das Auto empfehlen. Die Postauto-Verbindungen ins Vergeletto-Tal sind relativ selten. Dadurch wird man bei Hin- und Rückfahrt schnell unflexibel. Wenn du von weiter weg anreist, ist das Auto für diese Tour meiner Meinung nach praktischer. Eine Ausnahme ist, wenn du bereits im Tessin unterwegs bist und deine Wanderung gut auf die vorhandenen Verbindungen abstimmen kannst.
- Betriebszeiten der Funivia Salei kontrollieren. Die Seilbahn ist ein zentraler Bestandteil der Route.
- Gute Wanderschuhe tragen. Die Strecke führt über richtige Bergwanderwege.
- Den langen Abstieg nicht unterschätzen. Fast 1’200 Höhenmeter bergab gehen deutlich in die Beine.
- Wanderstöcke mitnehmen, wenn du bei längeren Abstiegen Probleme mit Knien oder Beinen bekommst.
- Genug Wasser und Verpflegung einpacken.
- Zeit am Laghétt di Salèi einplanen. Für mich ist der See der schönste Punkt der Tour.
- Wetterlage prüfen. Der höchste Punkt liegt auf über 2’000 Metern.
- GPX oder Wanderkarte offline speichern. In abgelegenen Bergregionen würde ich mich nicht ausschliesslich auf Mobilfunk verlassen.



