Ich bin mit dem öffentlichen Verkehr in knapp drei Wochen von Tokio nach Fukuoka gereist. Dabei bin ich der Frage nachgegangen, ob der öffentliche Verkehr und insbesondere die Shinkansen-Züge wirklich so gut sind, wie ihr Ruf voraussagt. Spoiler: Ja, das sind sie – und sie sind das Rückgrat jeder gelungenen Japanreise.
👉 Dich erwartet:
- Ein Einblick in die Logistik und den Komfort des japanischen Schienennetzes.
- Detaillierte Tagesberichte aus sechs japanischen Metropolen.
- Eine Übersicht über Sehenswürdigkeiten in den verschiedenen Städten.
📋 Japanreise: Kurzinfos
- Orte: Tokio, Nagoya, Kyoto, Osaka, Hiroshima & Fukuoka
- Dauer: 19 Tage (Oktober/November 2025)
- Verkehrsmittel: 100% öffentlicher Verkehr (Shinkansen, U-Bahn, Bus, Fähre)
- Unterkunft: Strategische Business Hotels (APA, Wing International, KOKO, etc.)
- Beste Zeit: Frühling (Kirschblüte) oder Herbst (Laubfärbung)
🧠 Quick Fazit: Lohnt es sich?
👉 Lohnt sich die Reise quer durch das Land?
✔ Ja, wenn du:
- Pünktlichkeit auf die Sekunde und perfekte Organisation liebst.
- Den Kontrast zwischen futuristischen Metropolen und jahrhundertealten Tempeln suchst.
- Gerne alleine oder flexibel reist – Japan ist extrem sicher und effizient.
❗ Eher nicht, wenn du:
- Absolute Einsamkeit suchst (viele Spots sind stark besucht).
- Platzangst in engen Räumen hast (Business Hotels sind oft winzig).
🚆 Anreise & Transport
Die Reise begann am 19.10.2025 ab Zürich mit Cathay Pacific via Hong Kong nach Tokio Narita (NRT). Nach der Ankunft am Nachmittag des Folgetages nutzte ich den praktischen Flughafen-Limousinen-Bus direkt in die Stadt. Für die gesamte Reise war mein wichtigstes Tool die Suica-Karte im Apple Wallet – damit lässt sich jeder Bus und jede U-Bahn kontaktlos bezahlen. Die Langstrecken zwischen den Städten wurden ausschliesslich mit dem Shinkansen zurückgelegt. Diese Züge sind das absolute Mass der Dinge: sauber, leise und so schnell, dass selbst 130 km in nur 30 Minuten verfliegen.

📍 Der Hauptteil: Japan Tag für Tag
🌆 Tokio: Die Stadt der Kontraste (Tag 1–7)
Nach der Landung in Tokio stand zuerst der Check-in im Hotel Wing International Ikebukuro an. Aufgrund der langen Anreise fiel ich direkt ins Bett. Der zweite Tag startete in Shinjuku, dem meistfrequentierten Bahnhof der Welt. Diesen über den richtigen Ausgang zu verlassen, ist eine Wissenschaft für sich. Ziel war das Tokyo Metropolitan Government Building, das eine kostenlose Aussichtsplattform im 45. Stock auf 200m Höhe bietet – bei gutem Wetter sieht man sogar den Fuji. Zu Fuss ging es weiter über den ruhigen Meiji-Schrein nach Harajuku. Die dortige Takeshita Street war mir persönlich jedoch zu touristisch. Beeindruckender waren die Menschenmassen am Shibuya Crossing. Den Abend verbrachte ich wieder in Shinjuku: Erst in der nostalgischen Omoide Yokocho („Memory Lane“) mit ihren engen Grill-Ständen, dann im Unterhaltungsviertel Kabukicho. Besonders das Viertel Golden Gai mit seinen winzigen Bars (max. 10 Personen) ist trotz Eintrittsgebühr („Cover-Charge“) ein absolutes Muss für einen Drink.
Tag 3 forderte seinen Tribut – die Reizüberflutung und der Jetlag zwangen mich zu einem Ruhetag, den ich nur für einen kurzen Abstecher zum nächsten 7-Eleven verliess. Am vierten Tag ging es fit zur Fuji-Tour. Vom Oishi Park am Kawaguchiko-See hatten wir Glück: Die Wolken verzogen sich und gaben den Blick auf den Fuji frei. Es folgten Stopps in einem traditionellen Dorf und dem Arakurayama Sengen Park mit der berühmten Pagode. Trotz der vielen Touristen ist dieses Fotomotiv spektakulär.
Die folgenden Tage in Tokio waren ein Mix aus Kultur und Moderne: Ein Mittagessen bei der Ramen-Kette Ichiran(ideal für Alleinreisende dank isolierter Kabinen), Shopping im 12-stöckigen Uniqlo Flagship Store in Ginza und ein Besuch des Asakusa-Schreins. Den Abend krönte der Tokyo Skytree mit einer Aussicht aus 350m Höhe. Ruhiger wurde es im Künstlerviertel Shimokitazawa und bei einem Spaziergang durch die Gärten des Kaiserpalastes. Den Abschluss bildete der Ameyoko Market mit seinem quirligen Streetfood-Angebot.















🚄 Nagoya: Das industrielle Herz (Tag 8)
Mit dem Shinkansen ging es ab Tokio Station weiter nach Nagoya, dem Zentrum der japanischen Industrie (Toyota). In Nagoya besuchte ich das Schloss Meijō, eine beeindruckende Rekonstruktion der Burg von 1612. Südlich der Stadt wartete ein echter Geheimtipp: Der Great Buddha of Shuurakuen, eine gut 20m hohe Statue. Den Tag rundete der Besuch des Atsuta-jingu-Schreins ab, einer der wichtigsten Shinto-Stätten Japans. Nagoya ist für eine Nacht absolut lohnenswert, sollte aber nicht auf Kosten anderer Highlights erzwungen werden.




⛩️ Kyoto & Nara: Tempel, Hirsche & Massentourismus (Tag 9–11)
Die Fahrt von Nagoya nach Kyoto dauerte für 130 km gerade einmal 30 Minuten. Mein Hotel lag direkt am Bahnhof, was die Logistik mit dem Gepäck extrem vereinfachte. Am Abend besuchte ich den Fushimi Inari Schrein. Während es tagsüber kaum ein Durchkommen gibt, ist die Wanderung durch die tausenden orangen Tore bei Dunkelheit wesentlich angenehmer und mystischer. Ein anschliessender Spaziergang durch das Geisha-Viertel Gion rundete den Abend ab.
Der zweite Tag in Kyoto war den Klassikern gewidmet. Da die U-Bahn hier weniger ausgebaut ist, nutzte ich primär den Bus. Zuerst zum goldenen Tempel Kinkaku-ji, danach zum Kaiserpalast Kyoto, der glücklicherweise weniger überlaufen war. Den Abschluss bildete der Kiyomizu-dera. Der Aufstieg durch die engen Gassen war aufgrund des Massentourismus grenzwertig, doch die massive Holzkonstruktion des Tempels und der Blick über die Stadt entschädigen für vieles. Am dritten Tag folgte ein Ausflug nach Nara. Die dortigen Hirsche sind charmant, fordern aber vehement Futter ein. Der Tōdai-ji mit seiner gigantischen bronzenen Buddha-Statue war hier das absolute Highlight. Bevor es nach Osaka ging, besuchte ich noch das Eisenbahnmuseum in Kyoto – ein Muss, um die Geschichte der Shinkansen zu verstehen.







🐙 Osaka: Neonlichter & Kulinarik (Tag 12–14)
Nur 25 Minuten dauerte die Fahrt nach Osaka. Am Abend von Halloween stürzte ich mich direkt ins Viertel Dotonbori. Die Gegend um die Ebisu-Brücke und den berühmten „Glico-Mann“ war komplett überfüllt und polizeilich gesichert. Trotz der Massen genoss ich ein hervorragendes Okonomiyaki (japanische Pfannkuchen).
An Tag 2 erkundete ich die 2,5 km lange Tenjinbashi-suji Shoppingstrasse und die Burg Osaka. Danach ging es auf das höchste Gebäude der Stadt: Das Abeno Harukas bietet auf 300m Höhe eine 360-Grad-Aussicht. Auch das Retro-Viertel Shinsekai mit dem Tsutenkaku-Turm und der markante Namba Yasaka Schrein (in Form eines Löwenkopfes) standen auf dem Programm. Den letzten Abend verbrachte ich auf dem Umeda Sky Building, dessen verglaste Rolltreppe zwischen den beiden Türmen architektonisch einzigartig ist.








🕊️ Hiroshima & Miyajima: Geschichte & Idylle (Tag 15–16)
In 1,5 Stunden brachte mich der Shinkansen nach Hiroshima. Der Besuch des Friedensparks und der Atombombenkuppel regt tief zum Nachdenken an. In unmittelbarer Nähe befinden sich das neue Fussballstadion sowie die rekonstruierte Burg Hiroshima. Kulinarisch probierte ich hier die lokale Variante des Okonomiyaki, die im Gegensatz zu Osaka geschichtet wird – ein tolles Erlebnis mit Kochshow direkt am Tresen.
An Tag 16 folgte der Ausflug auf die Insel Miyajima. Mit dem Zug und der Fähre (alles per Suica zahlbar) ging es zum berühmten „schwimmenden“ Tori-Gate. Da die Schlange für Fotos am Wasser endlos war, entschied ich mich für die Wanderung zur Seilbahn und fuhr zum Shishiiwa Observatory. Der Blick über die Bucht von Hiroshima von dort oben ist fantastisch.




🏯 Fukuoka: Der entspannte Abschluss (Tag 17–19)
Der letzte Shinkansen-Stopp war Fukuoka auf Kyushu. Ein Highlight hier war der Nanzoin-Tempel, wo die mit 41 Metern grösste liegende Bronze-Buddha-Statue der Welt ruht – die 30-minütige Anfahrt lohnt sich definitiv. In der Stadt selbst beeindruckte mich das Einkaufszentrum Canal City und der Cyber-Shrine im Nishi Park, der im Dunkeln mit Neonlichtern verziert ist.
Den letzten ganzen Tag verbrachte ich am Fukuoka Tower und bei einem Strandspaziergang (angenehme 22 Grad im November) zum Ohori Park. Der kostenlose Blick vom Hakata Port Tower bildete den perfekten Abschluss meiner Reise, bevor es am nächsten Tag zum Flughafen für den Weiterflug nach Seoul ging.







🧐 Fazit
Die Reise quer durch Japan hat meine Erwartungen an den öffentlichen Verkehr nicht nur bestätigt, sondern übertroffen. Die Effizienz, mit der man sich zwischen diesen riesigen Metropolen bewegen kann, ist weltweit einzigartig. Während Kyoto teilweise an den Grenzen des Massentourismus kratzt, bieten Städte wie Fukuoka oder Hiroshima eine wunderbare Mischung aus Tiefe, Entspannung und Moderne. Japan erfordert Planung und Durchhaltevermögen (besonders bei den kleinen Hotelzimmern), belohnt aber mit unvergesslichen Eindrücken.
💡 Tipps & Tricks
- Kosten-Check: Nutze den JR Fare Calculator, um zu prüfen, ob sich ein Rail Pass lohnt. Oft ist man mit Einzeltickets (gebucht via Klook) flexibler.
- Shinkansen-Buchung: Über Klook erhältst du QR-Tickets direkt aufs Handy. Du kannst bis 5 Minuten vor Abfahrt buchen und musst nie am Schalter anstehen.
- Apple Wallet: Lade deine Suica direkt ins Wallet. Es gibt keinen schnelleren Weg durch die Bahnhöfe.
- Business Hotels: Erwarte extrem kleine Zimmer, aber perfekte Ausstattung (Waschmaschine, Pflegeprodukte). Ideal für Reisende, die den Fokus auf die Stadt legen.

